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Title: Die drei Spinnerinnen
Author: Grimm, Jacob Ludwig Carl (1785-1863)
Author: Grimm, Wilhelm Carl (1786-1859)
Date of first publication: 1812 [original version]
Edition used as base for this ebook:
   Gttingen: Verlag der Dieterichschen Buchhandlung, 1857
   [Kinder und Hausmrchen gesammelt durch die Brder Grimm.
   Erster Band. Groe Ausgabe. Siebente Auflage.]
Date first posted: 15 April 2012
Date last updated: 15 April 2012
Project Gutenberg Canada ebook #936

This ebook was produced by
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Titre: Die drei Spinnerinnen
Auteur: Grimm, Jacob Ludwig Carl (1785-1863)
Auteur: Grimm, Wilhelm Carl (1786-1859)
Date de la premire publication: 1812 [version originale]
dition utilise comme modle pour ce livre lectronique:
   Gttingen: Verlag der Dieterichschen Buchhandlung, 1857
   [Kinder und Hausmrchen gesammelt durch die Brder Grimm.
   Erster Band. Groe Ausgabe. Siebente Auflage.]
Date de la premire publication sur Project Gutenberg Canada:
   15 avril 2012
Date de la dernire mise  jour:
   15 avril 2012
Livre lectronique de Project Gutenberg Canada no 936

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14.

Die drei Spinnerinnen.


Es war ein Mdchen faul und wollte nicht spinnen, und die Mutter mochte
sagen was sie wollte, sie konnte es nicht dazu bringen. Endlich bernahm
die Mutter einmal Zorn und Ungeduld, da sie ihm Schlge gab, worber es
laut zu weinen anfieng. Nun fuhr gerade die Knigin vorbei, und als sie
das Weinen hrte, lie sie anhalten, trat in das Haus und fragte die
Mutter, warum sie ihre Tochter schlge, da man drauen auf der Strae
das Schreien hrte. Da schmte sich die Frau da sie die Faulheit ihrer
Tochter offenbaren sollte und sprach 'ich kann sie nicht vom Spinnen
abbringen, sie will immer und ewig spinnen, und ich bin arm und kann
den Flachs nicht herbeischaffen.' Da antwortete die Knigin 'ich hre
nichts lieber als spinnen, und bin nicht vergngter als wenn die Rder
schnurren: gebt mir eure Tochter mit ins Schlo, ich habe Flachs genug,
da soll sie spinnen so viel sie Lust hat.' Die Mutter wars von Herzen
gerne zufrieden und die Knigin nahm das Mdchen mit. Als sie ins Schlo
gekommen waren, fhrte sie es hinauf zu drei Kammern, die lagen von
unten bis oben voll vom schnsten Flachs. 'Nun spinn mir diesen Flachs,'
sprach sie, 'und wenn du es fertig bringst, so sollst du meinen ltesten
Sohn zum Gemahl haben; bist du gleich arm, so acht ich nicht darauf,
dein unverdroner Flei ist Ausstattung genug.' Das Mdchen erschrack
innerlich, denn es konnte den Flachs nicht spinnen, und wrs dreihundert
Jahr alt geworden, und htte jeden Tag vom Morgen bis Abend dabei
gesessen. Als es nun allein war, fieng es an zu weinen und sa so drei
Tage ohne die Hand zu rhren. Am dritten Tage kam die Knigin und als
sie sah da noch nichts gesponnen war, verwunderte sie sich, aber das
Mdchen entschuldigte sich damit, da es vor groer Betrbnis ber die
Entfernung aus seiner Mutter Hause noch nicht htte anfangen knnen. Das
lie sich die Knigin gefallen, sagte aber beim Weggehen 'morgen mut du
mir anfangen zu arbeiten.'

Als das Mdchen wieder allein war, wute es sich nicht mehr zu rathen
und zu helfen, und trat in seiner Betrbnis vor das Fenster. Da sah es
drei Weiber herkommen, davon hatte die erste einen breiten Platschfu,
die zweite hatte eine so groe Unterlippe, da sie ber das Kinn
herunterhieng, und die dritte hatte einen breiten Daumen. Die blieben
vor dem Fenster stehen, schauten hinauf und fragten das Mdchen was ihm
fehlte. Es klagte ihnen seine Noth, da trugen sie ihm ihre Hlfe an und
sprachen 'willst du uns zur Hochzeit einladen, dich unser nicht schmen
und uns deine Basen heien, auch an deinen Tisch setzen, so wollen wir
dir den Flachs wegspinnen und das in kurzer Zeit.' 'Von Herzen gern,'
antwortete es, 'kommt nur herein und fangt gleich die Arbeit an.' Da
lie es die drei seltsamen Weiber herein und machte in der ersten Kammer
eine Lcke, wo sie sich hin setzten und ihr Spinnen anhuben. Die eine
zog den Faden und trat das Rad, die andere netzte den Faden, die dritte
drehte ihn und schlug mit dem Finger auf den Tisch, und so oft sie
schlug, fiel eine Zahl Garn zur Erde, und das war aufs feinste gesponnen.
Vor der Knigin verbarg sie die drei Spinnerinnen und zeigte ihr, so oft
sie kam, die Menge des gesponnenen Garns, da diese des Lobes kein Ende
fand. Als die erste Kammer leer war, giengs an die zweite, endlich an
die dritte, und die war auch bald aufgerumt. Nun nahmen die drei Weiber
Abschied und sagten zum Mdchen 'vergi nicht, was du uns versprochen
hast, es wird dein Glck sein.'

Als das Mdchen der Knigin die leeren Kammern und den groen Haufen
Garn zeigte, richtete sie die Hochzeit aus, und der Brutigam freute
sich da er eine so geschickte und fleiige Frau bekme und lobte sie
gewaltig. 'Ich habe drei Basen,' sprach das Mdchen, 'und da sie mir
viel Gutes gethan haben, so wollte ich sie nicht gern in meinem Glck
vergessen: erlaubt doch da ich sie zu der Hochzeit einlade und da sie
mit an dem Tisch sitzen.' Die Knigin und der Brutigam sprachen 'warum
sollen wir das nicht erlauben?' Als nun das Fest anhub, traten die drei
Jungfern in wunderlicher Tracht herein, und die Braut sprach 'seid
willkommen, liebe Basen.' 'Ach,' sagte der Brutigam, 'wie kommst du
zu der garstigen Freundschaft?' Darauf gieng er zu der einen mit dem
breiten Platschfu und fragte 'wovon habt ihr einen solchen breiten
Fu?' 'Vom Treten,' antwortete sie, 'vom Treten.' Da gieng der Brutigam
zur zweiten und sprach 'wovon habt ihr nur die herunterhngende Lippe?'
'Vom Lecken,' antwortete sie, 'vom Lecken.' Da fragte er die dritte
'wovon habt ihr den breiten Daumen?' 'Vom Faden drehen,' antwortete sie,
'vom Faden drehen.' Da erschrack der Knigssohn und sprach 'so soll mir
nun und nimmermehr meine schne Braut ein Spinnrad anrhren.' Damit war
sie das bse Flachsspinnen los.




[End of Die drei Spinnerinnen, by the Brothers Grimm]

[Fin de Die drei Spinnerinnen, par les frres Grimm]
